Ein kurzer Blick zurück: Das Jahr 2011 stand im Zeichen der 200-jährigen Turnbewegung

1811 – 2011: Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Jubiläums 200 Jahre Turnbewegung. Erster Höhepunkt war die eindrucksvolle Feierstunde am 18. Juni am frisch hergerichteten Jahn-Denkmal in der Hasenheide. Hier würdigte der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Rainer Brechtken, die Leistung Friedrich Ludwig Jahns, der im Juni 1811 an eben dieser Stelle, damals vor den Toren der Stadt Berlin, jetzt im Bezirk Neukölln gelegen, den ersten öffentlichen Turnplatz mit Leben erfüllte und damit die Geschichte der nunmehr 200-jährigen Turnbewegung anfangen ließ.

Auf die Jugend des damals 33-jährigen Jahn zugeschnitten war die Festansprache durch Jürgen Dieckert: Er hob das pädagogische Konzept des Turnplatzes hervor und betonte das „Prinzip Kür“ (die Selbsttätigkeit und Selbstorganisation der jungen Männer von 1811).

Den zweiten Höhepunkt bildete der Festakt, zu dem der DTB für den 20. November ins Alte Stadthaus in Berlin einlud. Mehr als 200 Gäste aus Politik, Turnen und Sport kamen. Die Grußworte konzentrierten sich auf die geschichtliche Bedeutung der Turnbewegung und ihre gesellschaftspolitische Rolle in Gegenwart und Zukunft. Schon der Deutsche Turntag in Frankfurt Anfang Februar hatte im Zeichen des Jubiläums gestanden. Hier hielt Bundestagspräsident Dr. Lammert einen 40-minüten Vortrag zum Thema des Jahres, der beeindruckte.

Abgerundet wurden die Veranstaltungen des Jahres 2011 durch die Ausrichtung einer großen internationalen sporthistorischen Tagung im August in Frankfurt. Der DTB veröffentlichte eine 150-seitige Broschüre „200 Jahre Turnbewegung – 200 Jahre soziale Verantwortung“. Der Bundesfinanzminister gab eine Sonderbriefmarke heraus, die den Turnplatz auf der Hasenheide in 1818 zeigt.

Die Jahn-Gesellschaft (Sitz: Freyburg/Unstrut) spannte mit zwei Ausgaben ihres „Jahn-Reports“ den Bogen von 1811 bis 2011. Ihre Mitglieder Hans-Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte widmeten ihre wissenschaftliche 290-Seiten-Veröffentlichung: „Nach dem Turnverbot – „Turnvater“ Jahn zwischen 1819 und 1852“ (Böhlau-Verlag) dem Jubiläumsjahr.

Auch die großen Medien öffneten sich für das Thema. So überschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 3. 12. 2011 ihren ganzseitigen Beitrag mit „Wie modern war das Turnvaterl von der Hasenheide?“ und sprach von einem „Modell, das bis heute Schule macht“. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) wählte die Überschrift: „Ehrenrettung für die Hasenheide – Der Turnplatz des ollen Friedrich Jahn ist besser und progressiver als sein Ruf“. Wenn das nicht erfreulich ist!

Hansgeorg Kling