Jahn-Pressedienst/Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft 3_09/2015

 

Vor 100 Jahren starb Ferdinand Goetz:

Er prägte die Turnbewegung über Jahrzehnte hinweg

Ferdinand Goetz (24. Mai 1826 – 13. Oktober 1915) war eine der Großen, die in der Deutschen Turnerschaft (DT), dem Vorgänger des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Verantwortung trugen. Viele sehen in ihm die bedeutendste Persönlichkeit der deutschen Turnbewegung im 19. Jahrhundert nach Jahn.

Nach seinem Studium in Leipzig lebte er seit 1855 ununterbrochen in Leipzig-Lindenau. Sein Haus in der Lützner Straße 11 wurde sehr schnell eine wichtige turnerische Schaltstelle und bald auch Geschäftsstelle der DT. Goetz war das Musterbeispiel eines tüchtigen „Netzwerkers“. So regte er die Gründung eines neuen Turnvereins in Lindenau an (gegründet 1860), war Leiter der örtlichen Feuerwehr, übernahm 1858 die Leitung er „Deutschen Turnzeitung“, gründete 1867 das Archiv der DT und gab 1879 zusammen mit Hugo Rühl das Handbuch der Deutschen Turnerschaft heraus.

Sein ehrenamtliches Engagement fällt anfangs in eine Zeit, in der die DT nach dem „Ruf zur Sammlung“ (Coburg 1860, erstes deutsches Turnfest) von 130 000 Mitgliedern in 1862 auf 500 000 Mitglieder in 1895 anwuchs. Das 3. deutsche Turnfest in Leipzig 1863 wurde mit 20 000 Teilnehmern zu einem Höhepunkt dieser Entwicklung. Nachdem Goetz mehr als 30 Jahre lang ehrenamtlich Geschäftsführer der DT gewesen war, übernahm er 1895 bis zu seinem Tod den Vorsitz der DT. Ihm im Wesentlichen ist es zu verdanken, dass 1894 in Freyburg/Unstrut die Jahn-Erinnerungsturnhalle gebaut wurde und 1903 das Jahn-Museum (in der jetzigen Ehrenhalle).

Woher er die Zeit nahm, neben Beruf und Ehrenamt auch politisch aktiv zu sein, bleibt ein Rätsel. Jedenfalls war er bald Gemeinderat und ab 1867 direkt gewählter Abgeordneter des Norddeutschen, später des Deutschen Reichstags (bis 1890).

Gesichert ist neuerdings die Zukunft des Goetz-Hauses in der Lützner Straße. Es gehört zu den wenigen erhaltenen Biedermeierhäusern Leipzigs. Sehenswert ist das im Garten stehende Ehrenmal, eine auf einem Granitsockel stehende Bronzebüste, die 1926 von Carl Seffner geschaffen wurde. Am 13. Oktober 2015 wird dort Ferdinand Goetz´ Wirken mit einer kleinen Feier gewürdigt werden.

Hansgeorg Kling