200 Jahre Burschenschaft:

Turnen und Burschenschaft waren 1815 eng vernetzt

 

Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die erste Burschenschaft gegründet (vielfach auch „Ur-Burschenschaft“ genannt). Das war deshalb ein sehr fortschrittlicher Akt, weil es bis dahin als Zusammenschluss der Studenten nur die „Landsmannschaften“ gab. Die Burschenschaft dagegen trat als entschieden politische Gruppierung auf: für Freiheit und Einheit. Genau dies waren auch die Ziele Friedrich Ludwig Jahns, der als geistiger Urheber der Burschenschaft gilt: Das in Jena vorliegende Statut stützte sich fast wörtlich auf seine Ausarbeitung.

 

Bei dieser „Vernetzung“ ist es nicht verwunderlich, dass Turnen und Burschenschaft nahezu identisch waren: „Ein turnender Student war Burschenschafter und umgekehrt. Nationale Einheit, Freiheit und sogar soziale Egalisierung waren eins“ (Lönnecker). Erster Höhepunkt der jungen Nationalbewegung war dann 1817 das Wartburgfest: Hier wurden neben Jahn auch Ernst Moritz Arndt und Friedrich Friesen als „Lehrer der deutschen Jugend“ geehrt. Die junge Nationalbewegung in Deutschland war verständlicher Weise auch ein Ergebnis des gewonnenen Freiheitskampfes von 1813, durch den das „Franzosenjoch“ abgeschüttelt worden war.

 

Jahns Anteil an diesem Erfolg als Hauptmann im königlich-preußischen Freikorps von Lützow schlug sich auch in etwas Symbolischem nieder, das uns heute viel wert ist: den Farben schwarz, rot und gold, die es seit 1815 gibt. Sie sollten dann das Hambacher Fest vom 27. Mai 1832 prägen: als Symbol der demokratischen Einheits- und Freiheitsbewegung. Auf diese Farben berief sich Theodor Heuß als Mitglied des Parlamentarischen Rates (1948/49), sodass es in Artikel 22 unseres Grundgesetzes heißt: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“

 

Hansgeorg Kling