Aus gegebenem Anlass: Warum wir uns entschieden zu Jahn bekennen

 

Der Vorgang ist befremdlich: Mitten im Zeitalter des besten Informationsmöglichkeiten und des genauen Hinsehens auf alles, was im öffentlichen Raum geschieht, will eine Grundschule in Berlin-Pankow nicht mehr nach Jahn benannt sein. Sie legt den Namen „Turnvater-Jahn-Grundschule“ ab, „weil sie sich nicht auf Dauer ausschließlich mit einem sportlichen Profil aufstellen möchte und weil die Persönlichkeit Friedrich Ludwig Jahns als zwiespältig und für Grundschulkinder schwer vermittelbar wahrgenommen wird“ (aus der Vorlage des Bezirksamts Pankow für die Bezirksverordnetenversammlung vom November 2014).

Diese Umbenennung forderte nicht nur die Jahn-Gesellschaft heraus, sondern auch den großen DTB: Es war klipp und klar in Worte zu fassen, wofür Jahn auch heute noch steht, und sich zu ihm zu bekennen. Selbst der DOSB schaltete sich mit einem Grundsatzbeitrag in seiner „DOSB-Presse“ ein. In drei großen Berliner Zeitungen wurde berichtet, sie druckten auch zahlreiche Leserbriefe ab. Im „Jahn-Report“, der Mitte Mai erscheinen wird, kann man die fünfseitige Dokumentation finden.

Aufschlussreich ist der Vorgang auch vor dem Hintergrund einer anderen Umbenennungsaktion: In den Jahren 2009/10 gab es eine große Debatte um die Benennung der Universität Greifswald. Sie hieß bis dahin Ernst-Moritz-Arndt-Universität und heißt auch seit dem März 2010 weiter so. In der damaligen Diskussion wurde deutlich, dass man Arndt, dem wie Jahn Fremdenhass vorgeworfen wurde, nicht gerecht wird, wenn man aus den zahlreichen Facetten seines Werks einzelne Zitate herausgreift und seine schillernde Vielseitigkeit übersehen will. Auch DTB-Präsident Rainer Brechtken macht immer wieder deutlich, dass wir mit unserem historischen Erbe differenziert und verantwortungsvoll umgehen müssen.

 

Hansgeorg Kling